von Franca Holder
SchwörerHaus realisiert am LebensPhasenHaus in Tübingen eine Erweiterung aus zwei FlyingSpaces. Die rund 97 Quadratmeter neue Nutzfläche schaffen Raum für die Geschäftsstelle des Landeskompetenzzentrums Pflege & Digitalisierung und werden zugleich zum Forschungsprojekt für Cradle-to-Cradle-fähige Materialien, CO₂-Bilanzierung und nachhaltiges Bauen.
Das LebensPhasenHaus steht seit seiner Entstehung für die Frage, wie Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen möglichst lange selbstbestimmt wohnen können. Barrierefreie Wohnkonzepte, technische Assistenzsysteme, Smart Home, Pflegeunterstützung und digitale Kommunikation werden dort erforscht, getestet und erlebbar gemacht.
Zwei FlyingSpaces für die Zukunft der Pflege
Mit der Erweiterung entsteht die neue Geschäftsstelle des Landeskompetenzzentrums Pflege & Digitalisierung. Die Mitarbeitenden arbeiten bisher auf der Galerie des LebensPhasenHauses. Durch den Anbau erhalten sie eigene Büro- und Besprechungsräume sowie zusätzliche Flächen für Austausch, Organisation und Veranstaltungen.
Im Landeskompetenzzentrum wird die Digitalisierung in der Pflege vorangetrieben. Dabei geht es unter anderem um aktuelle Herausforderungen wie den Personalmangel in der Pflege und den sinnvollen Einsatz von KI-Anwendungen. So bleibt das LebensPhasenHaus ein Ort, an dem gesellschaftliche Zukunftsfragen nicht nur diskutiert, sondern praktisch bearbeitet werden.
Modulare Erweiterung auf Stützen
Der Anbau besteht aus zwei FlyingSpaces, die schwebend auf Stützen gestellt werden. Die Module werden sowohl von außen als auch über die Galerie des bestehenden LebensPhasenHauses erschlossen. Beide FlyingSpaces haben jeweils eine Größe von 14,35 × 4,35 Metern. Insgesamt entstehen rund 97 Quadratmeter neue Nutzfläche.
Geplant sind ein kleiner Empfangsbereich mit Küche, Büro- und Besprechungsräume sowie WC- und Technikbereiche. Die Küche kann auch für das Catering bei Veranstaltungen im LebensPhasenHaus genutzt werden. Damit schafft die Erweiterung nicht nur Arbeitsplätze, sondern stärkt auch die Funktion des Gebäudes als Ort für Begegnung, Wissenstransfer und Veranstaltungen.
Der Anbau wird selbst zum Forschungsprojekt
Neben der neuen Nutzung wird auch der Anbau selbst wissenschaftlich betrachtet. In einem geförderten Projekt wird untersucht, wie mit Cradle-to-Cradle-fähigen Materialien gebaut werden kann und wie detailliert einzelne Bauteile bei der CO₂-Bilanzierung betrachtet werden müssen.
Dahinter steht eine wichtige Frage für das Bauen der Zukunft: Muss jede einzelne Klammer mit ihrem CO₂-Fußabdruck erfasst werden oder können Bauteile sinnvoll kategorisiert werden, ohne dass sich die Gesamtbilanz wesentlich verändert? Die Erkenntnisse aus dem vergleichsweise kleinen Anbau sollen dabei helfen, Rückschlüsse für größere Bauaufgaben zu ziehen.
Die Hochschule Biberach begleitet die CO₂-Bilanzierung und erstellt einen digitalen Zwilling des Anbaus. Damit wird die Erweiterung nicht nur gebaut, sondern auch datenbasiert analysiert.
SchwörerHaus übernimmt Planung, Produktion und Bau
SchwörerHaus verantwortet Planung, Produktion und Bau der Erweiterung. Die Umsetzung mit zwei FlyingSpaces zeigt, wie modulare Bauweise genutzt werden kann, um bestehende Gebäude flexibel und zukunftsorientiert zu erweitern.
Gerade im Bestand kann diese Bauweise Vorteile bieten: Die Raummodule werden im Werk vorbereitet und anschließend vor Ort montiert. So wird der Anbau planbar, die Bauzeit auf der Baustelle reduziert und die Erweiterung kann gezielt an die vorhandene Gebäudesituation angepasst werden.
An der aktuellen Erweiterung sind neben SchwörerHaus und der Universität Tübingen weitere Partner beteiligt. Die Hochschule Biberach übernimmt die CO₂-Bilanzierung und den digitalen Zwilling, RIDI die Leuchtenplanung, Somfy die Beschattungssysteme, die Stadtwerke Tübingen die Versorgung und PV-Anlage sowie der Garten- und Landschaftsbau die Außenanlagen.
Mehr als ein Anbau: Das LebensPhasenHaus wächst mit seinen Aufgaben
Die Erweiterung ist mehr als zusätzlicher Raum. Sie führt den Grundgedanken des LebensPhasenHauses weiter: Wohnen, Pflege, Technik und Forschung so zusammenzubringen, dass daraus alltagstaugliche Lösungen entstehen.
Schon das ursprüngliche Projekt zeigte, wie Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen möglichst lange selbstbestimmt wohnen können. Mit der neuen Geschäftsstelle rücken nun weitere Zukunftsfragen stärker in den Mittelpunkt: Wie kann Digitalisierung die Pflege unterstützen? Welche Rolle können KI-Anwendungen spielen? Und wie lassen sich Gebäude künftig ressourcenschonender planen, bauen und bewerten?
Altersgerechtes Wohnen beginnt nicht erst im Pflegefall
Altersgerechtes Wohnen bedeutet nicht nur, später Barrieren zu vermeiden. Es bedeutet, ein Haus so zu planen, dass es sich an veränderte Lebenssituationen anpassen kann. Schwellenarme Übergänge, gut erreichbare Räume, flexible Grundrisse, intelligente Haustechnik und technische Assistenzsysteme können schon früh Komfort bringen und später Selbstständigkeit ermöglichen.
Das LebensPhasenHaus macht diese Idee greifbar. Es zeigt, wie bauliche Planung, technische Unterstützung und digitale Lösungen zusammenspielen können. Technik ersetzt dabei keine menschliche Nähe und keine Pflege. Sie kann aber helfen, Sicherheit zu geben, Angehörige zu entlasten und alltägliche Abläufe einfacher zu machen.
Flexible Räume für ein Leben, das sich verändert
Auch Gebäude müssen auf Veränderungen reagieren können. Wenn neue Arbeitsbereiche entstehen, Angehörige näher rücken, Pflege organisiert werden muss oder zusätzlicher Raum gebraucht wird, sind flexible Lösungen gefragt. Die Erweiterung des LebensPhasenHauses zeigt, wie modulares Bauen hier eingesetzt werden kann.
Die beiden FlyingSpaces schaffen neue Nutzfläche, ohne das bestehende Gebäude grundsätzlich neu zu denken. Sie werden auf Stützen gestellt, an das LebensPhasenHaus angebunden und sowohl von außen als auch über die Galerie erschlossen. So wird sichtbar, wie bestehende Gebäude durch vorgefertigte Raummodule erweitert werden können.
Für SchwörerHaus ist das ein starkes Beispiel für Innovationskraft im Fertighausbau: Planung, Produktion und Bau greifen ineinander, während der konkrete Nutzen im Mittelpunkt bleibt.
Stand: 03.08.2026
Ein Haus sollte nicht nur für heute geplant werden
Lebenssituationen verändern sich. Was heute Homeoffice, Gästezimmer oder Hobbyraum ist, kann später ein Rückzugsbereich, ein ebenerdiger Schlafplatz oder ein Raum für Unterstützung im Alltag werden. Deshalb lohnt es sich, schon bei der Planung über Flexibilität nachzudenken.
Für Bauherren bedeutet das: Gute Grundrisse lassen Spielraum. Schwellenarme Übergänge, kurze Wege, gut erreichbare Räume und ausreichend Bewegungsfläche bringen nicht erst im Alter Vorteile. Sie machen den Alltag schon heute komfortabler und können später helfen, länger selbstbestimmt zu wohnen.
Technik sollte den Alltag erleichtern, nicht komplizierter machen
Digitale Lösungen, Smart Home und Assistenzsysteme können im Alltag unterstützen, wenn sie einfach bedienbar und sinnvoll eingesetzt sind. Sie können Sicherheit geben, Abläufe erleichtern oder Angehörige und Pflegekräfte entlasten. Wichtig bleibt aber: Technik ersetzt keine menschliche Nähe und keine Pflege.
Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel wird es immer wichtiger, Wohnen und Pflege zusammenzudenken. Digitale Anwendungen können dabei helfen, Unterstützung besser zu organisieren und Menschen länger in ihrer vertrauten Umgebung zu begleiten. Im neuen Anbau des LebensPhasenHauses wird dieser Gedanke mit der Geschäftsstelle des Landeskompetenzzentrums Pflege & Digitalisierung weitergeführt.
Flexibles und nachhaltiges Bauen braucht praktische Lösungen
Wenn zusätzlicher Raum gebraucht wird, muss nicht immer komplett neu gebaut werden. Modulares Bauen kann bestehende Gebäude sinnvoll ergänzen. Die zwei FlyingSpaces am LebensPhasenHaus zeigen, wie zusätzliche Nutzfläche entstehen kann, ohne das Bestandsgebäude grundsätzlich neu zu denken. SchwörerHaus übernimmt dabei Planung, Produktion und Bau der Erweiterung.
Gleichzeitig wird nachhaltiges Bauen immer konkreter. Am Anbau wird untersucht, wie Cradle-to-Cradle-fähige Materialien eingesetzt und CO₂-Bilanzen sinnvoll erstellt werden können. Damit wird sichtbar: Nachhaltigkeit braucht nicht nur gute Absichten, sondern belastbare Grundlagen und praxistaugliche Lösungen.
Innovation wird dann stark, wenn sie im Alltag ankommt
Die Erweiterung des LebensPhasenHauses verbindet mehrere Themen, die das Bauen und Wohnen der Zukunft prägen: altersgerechtes Wohnen, Pflege-Digitalisierung, modulares Bauen und nachhaltige Bewertbarkeit. Für SchwörerHaus zeigt sich darin, worauf es bei Innovation im Fertighausbau ankommt: Lösungen müssen technisch durchdacht, baulich umsetzbar und für Menschen im Alltag nützlich sein.
Häufige Fragen zum altersgerechten Wohnen
Altersgerechtes Wohnen bedeutet, dass ein Zuhause auch bei veränderten Lebenssituationen gut nutzbar bleibt. Dazu gehören schwellenarme Übergänge, gut erreichbare Räume, ausreichend Bewegungsfläche, einfache Bedienbarkeit und bei Bedarf technische Unterstützung. Ziel ist nicht, ein Haus wie eine Pflegeeinrichtung wirken zu lassen, sondern Komfort, Sicherheit und Selbstständigkeit langfristig zu ermöglichen.
Ein Haus kann Pflege zu Hause erleichtern, wenn wichtige Räume gut erreichbar sind und flexibel genutzt werden können. Besonders hilfreich sind kurze Wege, ein gut geplantes Bad, ausreichend Bewegungsflächen, schwellenarme Zugänge und Räume, die bei Bedarf als Schlaf-, Pflege- oder Rückzugsbereich dienen können. Auch Smart-Home- und Assistenzsysteme können unterstützen, wenn sie alltagstauglich und einfach bedienbar sind.
Digitale Lösungen können dazu beitragen, den Alltag sicherer und komfortabler zu machen. Dazu zählen zum Beispiel Smart-Home-Anwendungen, automatische Beschattung, Lichtsteuerung, digitale Kommunikation oder Assistenzsysteme. In der Pflege können digitale Anwendungen helfen, Abläufe besser zu organisieren oder Angehörige und Pflegekräfte zu entlasten.
Lebenssituationen verändern sich: Familien wachsen, Kinder ziehen aus, Homeoffice wird wichtiger oder Unterstützung im Alltag wird notwendig. Flexible Grundrisse und modulare Erweiterungen können helfen, Wohnraum an neue Bedürfnisse anzupassen. Wer beim Bauen nicht nur an heute denkt, schafft mehr Spielraum für morgen und kann spätere Umbauten oft einfacher lösen.
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